Bei der Vorstellung des neuen iPhone 6 Plus muss es eReader-Freunden wie Schuppen von den Augen gefallen sein: 5,5 Zoll großes Display, das ist ja fast so groß wie der Bildschirm meines eReaders! Aber lässt sich das Apple-Phablet auch gut zum eBook-Lesen nutzen? Wir haben den Kurz-Test gemacht.

Test: eBooks lesen am iPhone 6 Plus

Für den „normalen“ eBook-Leser sind vor allem zwei Sachen wichtig, wenn es um das richtige Lesegerät geht. Wie gut sind die Inhalte des eBooks oder des digitalen Magazins am Display lesbar und wie gut lässt sich das eBook-Lesegerät halten/mitführen. Die aktuelle Generation von eReadern wie Kindle Paperwhite oder Tolino Vision sind in Sachen eBook-Darstellung spitze, müssen jedoch minimale Abzüge in der B-Note hinnehmen. Während das Halten in einer Hand problemlos funktioniert, ist der Transport in der Hosentasche nicht so ohne Weiteres möglich.

iPhone 6 Plus im Vergleich mit Kindle Paperwhite und Zeitung im Sonnenlicht (c) Jörn Brien

iPhone 6 Plus im Vergleich mit Kindle Paperwhite und Zeitung im Sonnenlicht (c) Jörn Brien

Zumindest bei Letzterem, dem Tragen in der Hosentasche, kann das iPhone 6 Plus leider auch nicht vollends überzeugen. Es ist dafür einfach zu groß. Das iPhone 6 Plus ist aber im Vergleich etwa zum Kindle Paperwhite doch merklich leichter und schmaler. Das Phablet bringt 172 Gramm und 7,1 Millimeter Dicke auf die Waage, der Kindle Paperwhite 206 Gramm und 9,1 Millimeter Dicke. Es gibt natürlich auch deutlich leichtere eReader wie den 164 Gramm leichten Sony PRS-T2. Im Allgemeinen sind eReader aber vor allem in der Breite den Phablets wie dem iPhone 6 Plus unterlegen, also sehr viel breiter.

Die Unterlegenheit bezieht sich bei der Breite aber nur auf die Mobilität, zum eBook-Lesen sind die breiteren eReader-Displays etwas besser geeignet. Sie entsprechen einfach mehr dem Taschenbuchformat. Da kommt auch das für ein Smartphone fast riesige iPhone 6 Plus Display nicht heran, auch wenn sich eBooks im Querformat lesen lassen.

E-Ink-Display mit leichten Vorteilen bei direktem Sonnenlicht

Ein weiterer Vorteil eigens zum eBook-Lesen entwickelter eReader ist das spezielle E-Ink-Display. Auf dem Test-Foto sieht man, dass das Paperwhite-Display vor allem bei direktem Sonnenlicht ähnlich gut wie eine Zeitung oder ein Papierbuch zu lesen ist. Allerdings kann das iPhone 6 Plus dank einer hoch einstellbaren Helligkeit hier dem Sonnenlicht auch prima trotzen. Die Spiegelung ist – zumindest in der aktuellen Herbstsonne – nicht sonderlich störend.

In der Nacht überzeugt das iPhone 6 Plus dann zudem mit dem möglichen Nachtmodus, indem – akku- und augenschonend – die Buchstaben hell und der Hintergrund dunkel angezeigt werden. Nach einigen Test-Lesephasen ist zumindest für mich das hintergrundbeleuchtete Display von Kindle Paperwhite und Co. im Dunkeln deutlich besser lesen, gerade bei ausgiebigen nächtlichen Leseeinheiten.

In einem anderen Punkt liegt wiederum das iPhone 6 Plus vorn: es kann beide eBook-Formate, die Kindle- und ePub-eBooks, darstellen. Man braucht lediglich die entsprechenden Apps der Anbieter. Zudem kann man sich – anders als bei den meisten eReadern – gleich mit untermalender Musik beschallen lassen. Und gerade bei Magazinen ist es natürlich schöner, die Fotos und Illustrationen auch in Farbe zu sehen.

iPhone 6 Plus punktet mit Multimedia

Überhaupt, Multimedia. Mit dem iPhone 6 Plus hat man das Gefühl, man benötige beinahe keine anderen Geräte mehr. Es ist in der Lage, Tablet, Computer und eReader sowie den MP3-Player, den Fernseher und das Radio zu ersetzen. Jeweils natürlich nur bis zu einem gewissen Punkt. Auch die Digitalkamera kann das iPhone 6 Plus beinahe ausstechen. Das ist bei dem Preis allerdings auch wirklich notwendig, möglichst viele Geräte in einem zu haben.

eBook-Darstellung an iPhone 6 Plus und iPhone 4S (c) Jörn Brien

eBook-Darstellung an iPhone 6 Plus und iPhone 4S (c) Jörn Brien

Noch ein kleiner Vergleich: Auf dem iPhone 6 Plus lassen sich eBooks und jegliche Texte natürlich sehr viel besser lesen als auf dem 4 Zoll großen iPhone 4S, das ich ebenfalls schon einmal einem kleinen eBook-Lese-Test unterzogen hatte. Da macht sich das größere und höher auflösendere Display auf jeden Fall bemerkbar, wie man auf dem Test-Foto erkennen kann.

Fazit:

eBooks lesen am iPhone 6 Plus funktioniert gut, funktioniert sogar sehr gut. Alle eBook-Formate werden bei Einsatz entsprechender Apps unterstützt, mit iBooks hat man eine ansprechende eBook-App gleich mit an Bord. Das große, hochauflösende Display stellt die eBooks und vor allem bildreiche Magazine prima dar. Die unterschiedlichen Helligkeitseinstellungen sowie der Nachtmodus sorgen für größtmögliche Annehmlichkeit.

Zudem können Multimediafunktionen wie eingebettete Videos angeschaut werden, auch Vorlesenlassen und Hintergrundmusik sind möglich. Das iPhone 6 Plus ist schmaler und leichter als die meisten eReader. Das Phablet ist also für das Mitnehmen besser geeignet, aber auch nicht sehr gut, denn es passt einfach nicht in die herkömmliche Hosentasche.

Für Viel- und Sehr-Viel-Leser ist das große Apple-Smartphone aber nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Der bei den meisten aktuellen eingesetzte E-Ink-Bildschirm ist auf Dauer einfach weniger anstrengend für die Augen. Zudem ist das deutlich breitere Display (im Taschenbuch-Format) natürlich ein Vorteil. Wer es sich leisten kann und will, sollte auf einen ausgewiesenen eReader beim eBook-Lesen nicht verzichten. Aber das iPhone 6 Plus kommt dem eReader-Vergnügen schon recht nahe.

eBook-Lesen am iPhone 6 Plus im Test: Taugt das neue Apple-Phablet als eReader-Ersatz?
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