Nachdem die beiden Chefredakteure des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, Mathias Müller von Blumencron (verantwortlich für Spiegel-Online) und Georg Mascolo (verantwortlich für die Printausgabe), gefeuert wurden, ist auch die Debatte über Bezahlschranken für die Online-Angebote der deutschsprachigen Presseorgane wieder in den Vordergrund getreten. Im amerikanischen Raum bietet zum Beispiel die New York Times seit geraumer Zeit nur noch einen Teil ihrer Artikel umsonst an. Wer mehr lesen will, muss ein Abonnement abschließen. Einen anderen Weg, um an zusätzliche Einnahmen aus dem Online-Geschäft zu kommen, gingen unter anderem die amerikanischen Zeitschriften „The Atlantic“ und „Wired“. Beide haben damit begonnen, günstige eBooks mit längeren Sonderausgaben zu vertreiben.

eBooks mit Hintergundgeschichten

Über die üblichen Verkaufsplattformen wie Amazon oder Apples iBooks verkaufte The Atlantic zum Beispiel ein eBook mit dem Titel „The Obama Presidency, Explained“. Auf 82 Seiten kann sich der geneigte Leser ein ausführliches Bild der Obama Präsidentschaft machen, und zahlt dafür bei Amazon derzeit 2,74 Dollar. Wired wiederum verkauft eine 47 Seiten starke Sonderausgabe über John McAfee, den Gründer der nach ihm benannten Anti-Viren-Schmiede, der sich aufgrund eines Mordfalls bis vor kurzem auf der Flucht vor der belizischen Polizei befand.

Die Idee dahinter ist klar, kürzere Texte kommen werbefinanziert ins Web. Wer sich eingehender mit einem Thema auseinandersetzen möchte, kauft die Sonderausgabe als eBook. Im Grunde eine einleuchtende Idee. Vor allem längere Texte lassen sich sowieso auf einem eReader oder Tablet viel angenehmer lesen als im Rahmen einer Webseite. Zumal eine Paywall im deutschsprachigen Raum vermutlich wenig Sinn macht. Der Prozentsatz der Leser, die sich ein solches Online-Abo gönnen würden, wäre vermutlich recht gering. Was bei einem Organ wie der New York Times, mit ihrem weltweiten Publikum, ein kleineres Problem darstellen sollte.

Ob wir in Deutschland bald mit ähnlichen eBooks rechnen können, bleibt abzuwarten. Immerhin sind auch eReader und Tablets hierzulande weniger verbreitet als in den USA. Der oder die Nachfolger von Mascolo und von Blumencron könnten so allerdings alle zwei Monate eine Hitler-Sonderausgabe im eBook-Format herausbringen, dann könnte man auf dem Titel der Spiegel-Printausgabe vielleicht auch wieder aktuellere Themen finden.

via pressetext.com

Statt Online-Paywall: eBooks als Einnahmequelle für Zeitungen und Zeitschriften
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