Nach der Vorstellung der Social-Reading-Plattform Sobooks.de (Sobooks = Social Books) auf der Frankfurter Buchmesse im Vorjahr hat Sascha Lobo heute, Freitagvormittag (10.10., 10:10 Uhr), den finalen Startschuss gegeben. Kann Sobooks.de die Erwartungen erfüllen?

Sobooks.de: Sascha Lobo will in eBook-Champions-League spielen

Was für Erwartungen schürt Sobooks.de eigentlich? Sascha Lobo tut es nicht unter der Champions League – Amazon die Stirn bieten, reicht da nicht. Er wolle den Markt nach Amazon entwickeln, soll er bei der Präsentation gesagt haben, heißt es bei hr-online.

eBooks im Browser lesen und diskutieren (c) Screenshot Sobooks.de

eBooks im Browser lesen und diskutieren (c) Screenshot Sobooks.de

An Überzeugungskraft fehlt es dem Social-Media-Experten bekanntermaßen nicht, so konnte Lobo große Verlage ins Boot holen, wie Bastei Lübbe, Random House und Ullstein. Auch eine Kooperation mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde bekannt gegeben. Da kann Amazon tatsächlich nur staunen.

Auf Sobooks.de kann man bereits jetzt einen ersten Eindruck gewinnen, wie das Konzept gedacht ist. Demnach kann man im Browser (es gibt auch Apps für Android und iOS) eBooks kaufen und gleich lesen (ePub-Dateien werden zu HTML-5-Seiten umgewandelt). Zudem können die eBooks kommentiert und diskutiert werden, auch eine Sharing-Funktion zu Facebook, Twitter und Google Plus ist vorhanden.

Weiterhin gibt es Statistiken, etwa darüber, wie lange in dem Buch gelesen wurde, wie viele Leute es gekauft und wie viele es zu Ende gelesen haben. Spannende Einblicke, die andere eBook-Anbieter auch erheben, aber den anderen Lesern nicht so detailliert zur Verfügung stellen. Dabei könnte so manche Kaufentscheidung anders ausfallen, wenn man sieht, dass ein eBook eine hohe Abbruchrate hat.

Social Reading: eBooks bekommen Live-Element

In eine Livestream sieht man die aktuell abgegebenen Kommentare, kann sich also gleich in eine Diskussion einschalten. Ein „Heat“-Balken zeigt an, wie sehr das Buch im Gespräch ist. Es werden auch eBooks empfohlen, die viele Leute oder die eigenen Freunde lesen. Einzelne Seiten sind von außen direkt verlinkbar. Eines der Ziele von Sobooks.de: „Bücher bekommen ein gemeinschaftliches Live-Element“.

Noch ein paar Worte zum Angebot: Das derzeit „absichtlich schmale Angebot“ soll mit der Zeit ausgebaut werden, aktuell gibt es unter anderem die „Jerry Cotton“-Krimiklassiker, aber auch netzpolitische Kost, z. B. von Marina Weisband, ab 27. Oktober soll exklusiv das Buch von Christopher Lauer und Sascha Lobo über die Piratenpartei angeboten werden.

Zurück zur Ausgangsfrage: Wird Sobooks.de funktionieren? Ich persönlich glaube nicht an einen übermäßigen Erfolg von Sobooks.de, auch wenn das Konzept gut gedacht ist. Meine Skepsis begründe ich vor allem damit, dass ich nicht glaube, dass das Lesen – auch von eBooks im Browser – eine Tätigkeit ist, die einen Social-Charakter hat, die also das schnelle (Live-)Kommentieren, Bewerten etc. benötigt.

Positiv ist der Ansatz, das teils komplizierte eBook-Erlebnis (unterschiedliche Formate, konkurrierende Plattformen, DRM-Beschränkungen) zu vereinfachen. Es soll bei Sobooks.de jedenfalls kein DRM geben, höchstens digitale Wasserzeichen. Obwohl auch der Download von eBooks möglich sein soll.

Für mich ist das Alleinstellungsmerkmal, das soziale eBook-Leseerlebnis im Browser, nicht ausreichend, um eine „revolutionäre“ Änderung der aktuellen eBook-Landschaft auszulösen. Auch Amazon-eBooks kann ich im Browser lesen, Kobo Reading Life (inklusive Statistiken) lässt sich mit Facebook verknüpfen und das Teilen einzelner eBook-Sätze bei Facebook und Co. ist, soweit ich weiß, auch schon mehr als usus.

Interessiert sich der „normale“ Leser für Diskussionen?

Bleibt das Live-Element, bleiben vielleicht spannende Titel aus dem Bereich Netzpolitik. eBook-Leser, die sich für Krimis interessieren oder für Liebesschmonzetten – wahrscheinlich ein mindestens großer Teil – werden sich wenig für das Diskutieren darüber interessieren.

Korrigiert mich, wenn ich falsch liege – aber wenn selbst Sascha Lobo sagt, er sei sich nicht sicher, ob Sobooks.de in den nächsten 15 Jahren noch existiere*, dann bin ich das erst recht nicht. Was meint ihr zu Sobooks? Kann die Plattform Amazon oder der Tolino-Allianz das Wasser reichen? Nutzt ihr beim eBook-Lesen Social-Reading-Funktionen?

*Sascha Lobo hat im Kommentar zu diesem Artikel richtig gestellt, dass er das so nicht gesagt hat: „Was ich gesagt habe, ist: ich könnte nachvollziehen, wenn Nutzer das bei einer jungen Firma denken.“

Social Reading: Sascha Lobo vs. Amazon – Wird Sobooks.de funktionieren?
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