Der US-Buchhändler Barnes & Noble hat den lang erwarteten Sprung nach Deutschland geschafft – allerdings etwas anders als erwartet. Statt seine Nook eReader und Tablets in die Regale zu bringen, startet das zuletzt gegenüber dem großen Rivalen Amazon ins Hintertreffen geratene Unternehmen nun seine eigene Self-Publishing-Plattform NOOK Press in Deutschland sowie Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien, den Niederlanden und Belgien.

Self-Publishing: NOOK Press zahlt ähnlich hohe Tantiemen wie KDP

Ähnlich wie bei Amazons Self-Publishing-Plattform Kindle Direct Publishing (KDP) können Autoren und Verlage ihre Bücher (eBooks) auf NOOK Press hochladen und sie über NOOK-Geräte und die kostenlosen eReading-Apps anbieten. Ausgezahlt wird in der jeweiligen Landeswährung. Dabei kommen Indie-Autoren bei einer Veröffentlichung via NOOK Press in den Genuss von ähnlich hohen Tantiemen wie bei Amazons KDP. Die NOOK-Press-Autoren erhalten für eBooks mit einem Preis von 2,50 bis 9,49 Euro 65 Prozent, bei Preisen darüber (bis 199,99 Euro) oder darunter (ab 0,99 Euro) gibt es 40 Prozent vom Listenpreis. Zum Vergleich: Amazon schüttet 70 Prozent für eBooks mit Preisen zwischen 2,99 und 7,99 Euro aus, für eBooks, die günstiger bzw. teurer sind, gibt es 35 Prozent.

Self-Publishing mit Nook (c) Screenshot NookPress.com

Self-Publishing mit Nook (c) Screenshot NookPress.com

So wie bei Amazons KDP ist auch die eBook-Veröffentlichung via NOOK Press mit keinerlei Zusatzkosten verbunden. Die eBooks werden in ePub-Dateien umgewandelt, Schreiben und Redigieren sind auch nach dem Upload möglich. Die Veröffentlichung des eBooks soll innerhalb von zwei bis drei Tagen erfolgen. Es gibt einen Live-Chat, bei dem man täglich Fragen zur Online-Veröffentlichung beantwortet bekommen soll. Zudem verspricht Barnes & Noble ein Übersicht über die täglichen Einnahmen und die Möglichkeit der Änderung von Preisen.

Noch kein Nook, noch keine „Millionen Leser“ in Deutschland

Zudem verspricht Barnes & Noble etwas, das man in Deutschland aktuell noch kaum umsetzen wird können – das sofortige Erreichen „von Millionen von Lesern“. In den USA mag das stimmen und vielleicht haben Indie-Autoren auch in Großbritannien, wo Barnes & Noble schon seit einiger Zeit auch mit seinen eReadern und Tablets präsent ist, gibt es vielleicht schon eine nennenswerte Fanbase. In Deutschland ist aber nicht nur der Name Barnes & Noble als auch Nook bei der überwiegenden Mehrheit kaum bekannt, es wird derzeit lediglich eine Windows-8-App angeboten. Außerdem haben die Tolino-Allianz und Amazon schon einen Großteil des Marktes unter sich aufgeteilt.

Ein großes Manko von Barnes & Noble ist derzeit ganz klar noch, dass man das Unternehmen in Deutschland noch nicht kennt und auch die Nook eReader und Tablets keine Rolle spielen. Sollte sich das ändern, Barnes & Noble also sowohl die Geräte auf den Markt bringen als auch ein nennenswertes deutschsprachiges eBook-Angebot schaffen, in dem dann auch die Indie-Titel untergebracht und beworben werden, dann könnte eine Veröffentlichung bei NOOK Press Sinn ergeben. Interessant ist, dass es ganz unten auf der Website heißt: „Holen Sie sich NOOK: Lernen Sie unsere preisgekrönten Tablets und E-Reader kennen“. Der entsprechende Link führt derzeit noch auf eine US-Seite, aber wer weiß, vielleicht gibt es ja doch bald einen Nook-Start in Deutschland zu vermelden.

Derzeit ist NOOK Press aber wohl nicht mehr als ein weiterer Self-Publishing-Anbieter, der um Indie-Autoren ringt. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass die Autoren, die für eine Veröffentlichung bei NOOK Press werben sollen – „Selbst publizierende Bestsellerautoren bei NOOK und Barnes & Noble.com“ – zwar in den USA Erfolge gefeiert haben, in Deutschland aber unbekannt sein dürften und auch keine deutschen Übersetzungen ihrer Titel vorliegen. Ganz zu schweigen davon, dass kein deutschsprachiger Indie-Autor als Testimonial geworben wurde.

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