Ein Hamburger Einkaufszentrum. Robert Wagner erschießt acht Menschen und sich selbst, nachdem er weitere verletzt hat. Zunächst bleibt völlig unklar, wo das Motiv liegen könnte. Doch Ermittler Breidel findet schon bald eine Spur.

„Zeitgruppe Null“ von Dirk Bathen
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„Um halb elf stülpte Wagner die Kapuze seines Pullovers über den Kopf, schloss die Wohnung ab und ging drei Stockwerke nach unten. Der Hausflur roch nach Putzzeug und sozialer Vernachlässigung. Alles war wie immer. Ein dezenter Hauch von Alltag schob sich an den Wänden vorbei. Nur die Umhängetasche fühlte sich anders an als sonst.“ Mit diesen Eindruck hinterlassenden, starken Worten beginnt Dirk Bathens Krimi „Zeitgruppe Null“.

Amoklauf am Montag: Zufällige Opfer

In einem Supermarkt des Einkaufszentrums startet dieser Wagner also seinen Amoklauf, es ist Montag, der 26. Oktober. Zur Supermarktmusik „What Is Love“ von Haddaway erschießt Wagner mit seinem Revolver einen älteren Herrn, als dieser Schlagsahne aus dem Regal angelt. Dann einen Mann mit Hornbrille. Dann viele weitere, allesamt zufällige Opfer. Am Ende verlässt der Täter das Einkaufszentrum nach draußen, wo er sich im strömenden Regen selbst richtet.

Cover "Zeitgruppe Null" von Dirk Bathen (c) edel & electric

Cover „Zeitgruppe Null“ von Dirk Bathen (c) edel & electric

Ermittler Felix Breidel nimmt die Ermittlungen auf, ausgerechnet an seinem freien Tag. Vom Küchentisch war er quasi aufgesprungen, wo ein klärendes Gespräch mit seiner Frau hätte stattfinden sollen, als sein Telefon geklingelt hatte. Sie hatte ihm noch die Kaffeetasse hinterhergeworfen, weil er sich so behände von dannen machte. Ob das die Scheidung bedeutete?

„Zeitgruppe Null“: Verein gegen die Schnelllebigkeit unserer Zeit

Daran verschwendet Breidel keinen Gedanken, als er die Bilder der Überwachungskameras betrachtet, die das Gemetzel im Supermarkt zeigen. Die Ermittlungen führen ihn schon bald zu einem Pharmakonzern mit dem Namen „BraInfluence“. Dieses Unternehmen investiert viel Zeit und Geld darin, wie der arbeitende Teil der Bevölkerung mittels eines Medikaments zu immer produktiver werdenden Einheiten im turbokapitalistischen System werden könnte. Auch das Ministerium für Wirtschaft, so zeigt sich, ist nicht abgeneigt, diesen Plan Realität werden zu lassen. Doch es gibt auch Gegner …

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„Zeitgruppe Null“ ist nicht nur deswegen keine Liebesgeschichte, weil die Hauptfigur Felix Breidel mit Eheproblemen ringt. Nein, die Story ist angesiedelt in zwei grauen Herbsttagen, die so gar keine Wärme aufkommen lassen möchten. Autor Dirk Bathen sagt selbst: „Ich hätte aus dem Stöffchen geschmeidig eine Happy-Go-Lucky-Liebesgeschichte für 35- bis 44-jährige Frauen machen können und wäre vielleicht ganz pilchermäßig steil gegangen.“

Hat er aber nicht, und das war gut so. Denn „Zeitgruppe Null“ ist ein guter Krimi, der seine Spannung nicht zuletzt aus der Dichte erfährt, die zwei Herbsttage erzeugen können. Schnörkellos, geradlinig, in klaren Bildern erzählt und direkt. Mehr braucht ein guter Kriminalroman ja auch nicht.

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„Zeitgruppe Null“ von Dirk Bathen: Keine Liebesgeschichte
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