Mit „Girl on the Train: Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich“ liefert Paula Hawkins einen gelungenen Thriller, in dem nichts ist, wie es zunächst scheint. Neben einer packenden Ermittlungsgeschichte gewährt sie vor allem einen tiefen Einblick in die Lebenswirklichkeiten ihrer Hauptfiguren.

Es ist kein Geheimnis, dass sich hinter einem schönen Schein manchmal nur ein einziger Scherbenhaufen verbirgt. Will man hinter die vermeintlich heile Fassade eines Fremden schauen, sollte man jederzeit mit dem Unerwarteten rechnen. Doch für manchen ist diese Erfahrung eine Lehre, die schon lange nötig war.

Das Spiel der vermeintlich heilen Fassade

Rachel, das „Mädchen im Zug“, ist 30 Jahre alt und fristet ein trauriges Dasein als Alkoholikerin. Nicht nur, dass ihr liebender Ehemann sich mittlerweile mit ihrer einstigen Freundin Anna in ihrem damaligen Zuhause niedergelassen hat, ihren Job hat sie durch ihre Sucht mittlerweile auch verloren. Um die vermeintlich heile Fassade zumindest noch vor ihrer Mitbewohnerin aufrecht zu erhalten, pendelt Rachel jeden Morgen mit dem Zug in die Londoner Innenstadt, um zumindest den letzten Rest eines heilen Alltags vorzutäuschen.

Cover "Girl on the Train" von Paula Hawkins (c) Blanvalet

Cover „Girl on the Train“ von Paula Hawkins (c) Blanvalet

Tagtäglich fährt Rachel an einem Haus vorbei, das von den jungen Verliebten Megan und Scott bewohnt wird, die ein scheinbar perfektes Leben führen, um das sie Rachel nur beneiden kann. Doch eines Tages macht Rachel eine Entdeckung, die für immer ihr Leben verändern soll. So beobachtet sie aus dem Zug heraus, wie die vermeintlich liierte Megan in ihrem Garten einen fremden Mann küsst. Als Rachel nur kurze Zeit später eine Vermisstenanzeige der jungen Frau in der Zeitung findet, ahnt sie, dass ihre Beobachtungen kein Zufall gewesen sind.

Um trotz ihrer Alkoholsucht als Zeugin ernstgenommen zu werden, strickt sie ein Netz aus Lügen und gibt vor, eine vertraute Freundin der verschwundenen Megan zu sein. Auf eigene Faust beginnt sie zu ermitteln und ahnt noch nicht, dass sie dem Sog der folgenden Ereignisse nicht mehr entrinnen kann.

Eine packende Ermittlungsgeschichte, die zunehmend an Fahrt gewinnt

Mit „Girl on the Train: Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich“ liefert Paula Hawkins einen gut durchdachten Thriller mit einem mitreißenden Schreibstil.
Klar und prägnant schafft die Autorin authentische Charaktere, deren Gedanken und Emotionen sie detailliert und nachvollziehbar übermittelt.

Mittels zweier Zeitebenen und den wechselnden Perspektiven der drei Protagonistinnen Rachel, Megan und Anna liefert die Autorin immer neue Puzzleteile, die den Leser an seinen bisher gewonnen Kenntnissen immer wieder zweifeln lassen.

Zu keinem Zeitpunkt lässt sie durchscheinen, wer wirklich Opfer, wer Täter und inwieweit Rachel in das Verschwinden von Megan verstrickt ist. Auf der Suche nach Megans möglichem Entführer lockt die Autorin ihre Leser nur allzu gerne auf die falsche Fährte, um im nächsten Augenblick ein entscheidendes Detail zu verändern.

Zum Ende spinnt Paula Hawkins alle Fäden gekonnt zu einer packenden Ermittlungsgeschichte zusammen, die in einem dramatischen Finale endet.

Fazit: Als andere als ein gewöhnlicher „Thriller“

Mit „Girl on the Train: Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich“ präsentiert Paula Hawkins ihren Lesern einen ausgeklügelten und sehr gut recherchierten Roman, den man nur ungerne aus der Hand legen wird. Zweifelsohne lässt sich diesem Werk nicht so einfach der Stempel „Thriller“ aufdrücken, da unter anderem auch Elemente aus Drama und Selbstfindung zum Tragen kommen.

Die geschaffenen Protagonisten spiegeln glaubhaft einen Teil unserer heutigen Gesellschaft wider und beweisen, mit welcher Beobachtungsgabe und Empathie sich die Autorin ihrem Werk gewidmet hat.

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„Girl on the Train“ von Paula Hawkins: Eine Pendlerin zwischen dunklen Geheimnissen
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