Erfolg, Reichtum und Anerkennung sind in der heutigen Zeit maßgeblich für ein glückliches Leben. Doch was, wenn das Leben sich von seinen dunkelsten Seiten zeigt und das Schicksal gnadenlos zuschlägt? Ist es egoistisch, einem Leben voll Verzicht und Krankheiten den Rücken drehen zu wollen und den freiwilligen Tod vorzuziehen? Jojo Moyes geht diesem Thema in „Ein ganzes halbes Jahr“ auf den Grund und zeigt auf, dass sich nicht jede Frage mit Ja oder Nein beantworten lässt.

Ein junger Mann in der Blüte seines Lebens, ein Unfall, der alles verändert und der nur einen Wunsch in dem Mann aufkeimen lässt: den vorzeitigen Tod. Doch vorher soll er seinen Eltern noch einen letzten Wunsch erfüllen: Er wartet ein ganzes halbes Jahr ab und entscheidet nach sechs Monaten noch einmal, ob er seinem Leben schon jetzt ein Ende setzen möchte.

Zwei ungleiche Menschen und eine schier unmögliche Aufgabe

Lou und Will könnten gegensätzlicher nicht sein. Luisa lebt mit ihren 27 Jahren noch bei ihren Eltern und geht einem einfachen Job in einem Café nach. Auch die Beziehung zu ihrem langjährigen Freund ist alles andere als aufregend und komplettiert nur zu gut ihr unspektakuläres Leben. Dennoch zeigt sich Lou bescheiden und kommt nicht annähernd auf die Idee, aus diesem tristen Alltag auszubrechen. Bis sie eines Tages die Kündigung erhält und sich ihr Leben schlagartig ändern soll.

Will hingegen steht auf der Sonnenseite des Lebens. Als erfolgreicher und überheblicher Geschäftsmann sind ihm Geldsorgen gänzlich fremd und er schmückt sich zudem mit einer hinreißenden Freundin. Sein Leben ist geprägt von Reisen in exotische Länder, Abenteuern und immer neuen Erlebnissen.

„Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes
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Doch dieses Glück wird mit dem Moment zerstört, als er von einem Motorradfahrer erfasst und in einen Rollstuhl befördert wird.

Cover: "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes (c) Rowohlt

Cover: „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes (c) Rowohlt

Wenn auch die Reha Fortschritte zeigt, muss sich Will der brutalen Wahrheit stellen: Seine Verletzung ist irreparabel und er wird nie wieder der Mann sein, der er einst war. Somit fasst er den radikalen Entschluss, in einer Schweizer Klinik Sterbehilfe für hoffnungslose Fälle in Anspruch zu nehmen und damit seinem traurigen Dasein ein Ende zu setzen.

Auch seine verzweifelten Eltern kommen nicht an ihn heran und handeln mit ihrem Sohn einen verzweifelten Deal aus: Er wartet noch ein ganzes halbes Jahr und wenn er sich nach den sechs Monaten noch immer nach dem Tod sehnt, werden die Eltern ihn auf seiner letzten Reise begleiten.

Für seine Pflege wird ihm ausgerechnet die unerfahrene Lou an die Seite gestellt, die das Jobangebot der wohlhabenden Eltern nur aufgrund ihrer Notsituation angenommen hat. Schnell zeigt sich, dass Wills Launen für die junge Frau zur Zerreißprobe werden und sie bereits nach kurzer Zeit mit ihrer Kündigung hadert. Lediglich das Wissen, dass der Job auf sechs Monate befristet ist, lässt sie jeden Tag aufs Neue durchhalten.

Doch mit der Zeit beginnt Wills Schutzmauer zu bröckeln und er öffnet sich der jungen Frau immer mehr. Nun ist es an Lou, den Wettlauf mit der Zeit zu gewinnen. Schon längst sieht sie mehr in Will als den hilflosen Mann im Rollstuhl oder den erfolgsverwöhnten Angeber. Vielmehr erkennt sie den scharfsinnigen, humorvollen und einfühlsamen Menschen, der sich hinter seiner kühlen Fassade verbirgt. Sie kämpft um glückliche Momente, erlebt Niederlagen, Verzweiflung aber auch Sternstunden voller Hoffnung.

Wird es Lou mit ihrem authentischen und frischen Wesen gelingen, Will neue Hoffnung zu schenken und ihn wieder für das Leben zu begeistern? Und wann liebt man einen Menschen wirklich: wenn man um sein Leben kämpft oder ihn in seinen tiefsten Wünschen unterstützt?

Ein ehrlicher Roman, der zum Lachen und zum Weinen bringt

Mit „Ein ganzes halbes Jahr“ liefert Jojo Moyes einen humorvollen, tiefgründigen und vor allem ehrlichen Roman, der ein erschütterndes wie auch herzerwärmendes Schicksal zweier junger Menschen erzählt. Dabei spricht sie Wahrheiten so unverblümt und direkt aus, wie nur wenige Menschen es sich heutzutage zutrauen. Mit Lou und Will hat sie zwei unglaublich tolle Charaktere geschaffen, die eine außergewöhnliche aber auch tiefe Liebe zueinander entwickeln, ohne dass diese zu irgendeinem Zeitpunkt aufgesetzt wirkt.

Das Buch verschont nicht, gibt kein richtig und kein falsch vor und mutet dem Leser auch emotional quälende Zeilen zu. Gleichzeitig sprüht es aber auch vor Höhenflügen und lässt den Leser immer wieder von Herzen lachen.

Die Autorin lehrt ihre Leser, mit sensiblen Themen umzugehen und zeigt auf, dass diese unausweichbar sind. Dabei transportiert das Buch vor allem eine Botschaft: Lebe und genieße das Leben. Verschwende keine Zeit, denn du hast nur dieses eine.

Fazit: Viel mehr als nur eine Liebesgeschichte von Jojo Moyes

Jojo Moyes hat mit „Ein ganzes halbes Jahr“ ein Werk erschaffen, das mit sehr viel Tiefgang aufwartet und nicht nur die Sonnenseite des Lebens beleuchtet. Es ist eine Liebesgeschichte, aber vor allem auch ein Werk, welches noch lange nachhallt und den Leser eine ganze Weile lang in Gedanken begleitet. Es hinterlässt bleibende Spuren und regt dazu an, sich mit dem Leben, der Liebe als auch der Hoffnung näher auseinanderzusetzen.

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„Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes: Was bedeutet Glück wirklich?
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