Mit einem eigentlich herkömmlichen Whodunit lockt ein Krimiautor heute kaum mehr jemanden hinter dem Ofen hervor. Oder doch? Kurt Jahn-Nottebohm hat es versucht, indem er sich in „Dunkelkammer“ eines finsteren Themas angenommen hat. Und dieser Versuch war nicht gänzlich ohne Erfolg.

Steffi ist 13 und hat jede Menge Zeit. Papa arbeitet viel, Mama arbeitet viel, und eigentlich trifft sie sich hin und wieder nur mit ihren beiden Freundinnen. Ganze zwei. Das ist nicht viel für ein Mädchen in ihrem Alter, und Steffi scheint das irgendwie zu wissen. Sie fühlt sich einsam – und so hat „Robert“ es leicht, sich an das Kind heranzumachen, indem er vorgibt, der Vater von Alex zu sein, ein Mädchen aus Steffis Parallelklasse.

Etwas Schreckliches geschieht. Parallel dazu hat der Kripo-Beamte Frank Wallert mit seinem Team einen Doppelmord aufzuklären, in dessen Nachgang das Haus abbrennt, in dem der Mord geschehen ist. Und auch der Fund einer CD-Hülle bringt zunächst kein Licht ins Dunkel.

„Dunkelkammer“: Teilweise unlogisch und blass

„Dunkelkammer“ von Kurt Jahn-Nottebohm ist ein Krimi, in dem es um Kinderpornographie geht, eines der düstersten Themen überhaupt. Doch der Autor inszeniert diesen Schrecken nicht, gibt ihm nicht zu viel Raum, wird nicht zu explizit.

Cover: "Dunkelkammer" von Kurt-Jahn Nottebohm (c) BookRix

Cover: „Dunkelkammer“ von Kurt-Jahn Nottebohm (c) BookRix

Insofern sonnt sich da keiner im fahlen Licht der von ihm erdachten Abscheu, was schon einmal für das Buch spricht. Zwar bleiben einzelne Figuren etwas blass und einige Szenen etwas unzureichend oder unlogisch, aber im Großen und Ganzen ist Jahn-Nottebohm ein halbwegs gutes Werk gelungen.

Und das, obwohl einem als Leser zwischendurch schon mal der Überblick verloren gehen kann. Jahn-Nottebohm spielt mit zu vielen Charakteren. Was verwundert, ist die Tatsache, dass der Autor sprachlich zwischen Kreisklasseniveau und gehobenem Stil hin und her pendelt (ungewollt) oder sich hier und da in überflüssigen Details verliert (gewollt), die selbsterklärend oder schlicht unwichtig sind.

Doch allein die Tatsache, dass sich ein Schriftsteller mit seinem Erstlingswerk an ein so heikles Thema herantraut, ist ein Pluspunkt, da sind ein paar handwerkliche Fehler schon mal erlaubt.

Bei allen Schwachstellen: Das Buch liest sich gut weg

So kommt Jahn-Nottebohm etwa nicht auf die Idee, an moderne polizeiliche Ermittlungsmethoden zu denken wie an DNA-Proben, Mobilfunk-Bewegungsmuster oder die Überwachung von Mail- und Handyverkehr des Verdächtigen. Und auch Kommissar Zufall spielt eine größere Rolle – denn ausgerechnet Wallerts Freundin, die beim Jugendamt arbeitet, wird von einem Lehrer über Steffi informiert.

Sonst wäre der Fall wohl ins Stocken geraten. Leider sind wir hier wieder bei dem Thema, dass Ermittler oder deren Angehörige inzwischen fast schon standardmäßig auch privat in den Fall verwickelt sind.

Aber noch einmal: „Dunkelkammer“ liest sich dennoch gut weg, wenn man dazu bereit ist, großzügig über die Ärgernisse hinwegzulesen, von denen es doch einige gibt. Weil Jahn-Nottebohms Ansatz aber nicht schlecht ist, lautet das Fazit: Kkann man schon mal lesen. Wenn der Autor die diversen Schwächen abstellen kann, wird sein nächstes Buch vielleicht sogar richtig gut.

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„Dunkelkammer“ von Kurt Jahn-Nottebohm: Was am Ende übrig bleibt
3.9 (78%) 20 Bewertungen

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