Ein Roman, der mit solchen Worten beginnt wie Isabel Morlands erstes Buch „An den Rändern der Nacht“, ist oft entweder zu pathetisch oder zu brav. In diesem Fall aber ist das anders. Ein spannendes Erstlingswerk, das vom ersten Satz an schnell Fahrt aufnimmt und seine Leser zu fesseln weiß. Nicht zuletzt auch aufgrund der erotischen Komponente.

„Es war wie sterben. Als hätte sie aufgehört, zu existieren.“ So beginnt Isabel Morlands erster Roman „An den Rändern der Nacht„. Beim Blick aus dem Fenster des ICE huscht „die Pariser Banlieue vorbei“.

Audrey Lafayette nennt sich die Protagonistin, die ihren wahren Namen aufgrund eines Gedächtnisverlusts nicht mehr weiß und von Frankfurt aus in die französische Hauptstadt fährt, und sie hat keine Ahnung, warum sie in diesem Zug sitzt. Eigentlich weiß sie so gut wie gar nichts mehr.

Ein Irrweg durch die Stadt der Liebe

Audrey geistert ohne Anhaltspunkt, ohne Orientierung durch Paris, bis sie, mehr aus Zufall, plötzlich Bekanntschaft macht mit einer Frau namens Mercedes Rodrigues, deren Mann der venezolanische Botschafter in Frankreich ist. So kommt es, dass Audrey eine Anstellung als Hausmädchen in der Botschaft bekommt.

Cover "An den Rändern der Nacht" von Isabel Morland (c) edel

Cover „An den Rändern der Nacht“ von Isabel Morland (c) edel

Von jetzt an nimmt die Geschichte ihren immer wieder überraschenden Lauf: Audrey lernt zwei Männer kennen und lieben und weiß doch nicht, dass beide tief in die Kabale verwickelt sind, die in der Botschaft geplant ist. Sie entscheidet sich gegen Philippe, der der korsischen Mafia angehört und auf den Botschafter angesetzt ist, und für Luc, der seinerseits für den Geheimdienst arbeitet.

Ein zwielichtiger Botschafter, ein fast schon sympathisch wirkender Mafioso, ein charmanter Geheimer, eine geradlinige Botschaftergattin und die Heldin auf der Suche nach ihrer wahren Identität bilden den personellen Rahmen dieses Thrillers, der sich zu einer unbarmherzigen Intrige entwickelt, die einem grausamen Kammerspiel gleicht.

Als Leser begleitet man Audrey bei ihrem Versuch, sich selbst wiederzufinden, was in dem Ränkespiel, das in dieser Botschaft stattfindet, nahezu hoffnungslos erscheint – bis in Audrey Lafayette nach und nach ein finsterer Verdacht keimt …

Nichts ist, wie es scheint

In „An den Rändern der Nacht“ ist nichts, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Ein spannender Erstling von Isabel Morland, bei dem es zunehmend schwerer wird, den eReader freiwillig aus der Hand zu legen.

Eine solide Story, die ohne allzu große künstliche Aufblähung auskommt, und detailliert gezeichnete Charaktere machen den Thriller zu einem unerwartet guten und gelungenen Buch, das sich ebenso für verregnete Sonntagnachmittage ebenso eignet wie als Bettlektüre zur Nacht.

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Die dunkle Seite von Paris
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