In „Aldi, Sex & Rock’n Roll“ erzählt Nadja Böhnke aus der Ich-Perspektive vom etwas tristen Ehealltag der 50-jährigen Inge mit dem zwei Jahre älteren Fred. Bis ein Klaps auf ihren Allerwertesten in einem Discounter ihr Leben umstülpt.

Ja, das Leben. Es schlägt mitunter seltsame Kapriolen. Da fährt man am Freitagnachmittag mit dem Gatten eben mal zu Aldi, und schon ist nichts mehr, wie es vorher war. Jedenfalls nicht für Inge, die – genervt vom immer gleichen ehelichen Trott, auch die Söhne sind schon ausgezogen – gerade im Tiefkühlfach wühlt, als ihr jemand auf den Hintern klopft. Ein „vertrautes Klopfen“. Doch natürlich ist es nicht Fred, sondern „der attraktivste Mann, den ich jemals gesehen hatte“, wie Inge feststellt.

Denken 50-jährige Frauen das F-Wort?

Abgesehen davon, dass es wahrscheinlicher ist, dass Pinguine fliegen lernen, als dass sich ausgerechnet bei Aldi am Gefrierfach eine frustrierte Hausfrau und ihr Traummann kennenlernen: Natürlich gehen vielen Frauen in den Wechseljahren (aber auch Männern während der Midlife Crisis) die Gedanken und die Gäule durch.

Cover: "Aldi, Sex & Rock'n Roll" von Nadja Böhnke (c) CupidoBooks

Cover: „Aldi, Sex & Rock’n Roll“ von Nadja Böhnke (c) CupidoBooks

Da steht also dieser Mann, den sie ab jetzt einfach Jack nennt, und um Inge ist es geschehen. Ist ja egal, wo es passiert ist, es ist passiert.

Kaum zu Hause angekommen, steigt Inge mit Fred ins Bett, und vielleicht macht sich die Autorin etwas zu lustig über den Ehegatten. Überhaupt gewinnt man als Leser auf den ersten Seiten den Eindruck, dass Fred im Prinzip machen kann, was er will, er kommt in Inges Augen immer schlecht weg.

Etwas irritierend ist auch, dass die Autorin ihre Inge beim Sex etwas zu vulgäre Dinge denken lässt. Allein die doppelte Nennung des F-Worts in diesem Zusammenhang mutet etwas übertrieben an. Und eigentlich dient die Bettszene dem Leser nur zum Verständnis, dass der Aldi-Jack der Hausfrauen-Inge nicht mehr aus dem Kopf geht. Hätte man sich auch ohne derlei derbe Konkretheiten denken können.

Inge zwischen zwei Stühlen

Dass sich aus diesen anfänglichen, nun ja, Schwachstellen dennoch ein gut zu lesendes Buch entwickelt, ist dem Plot geschuldet. Denn es kommt, wie es kommen muss: Inge trifft Jack wieder, es entspinnt sich eine heiße Romanze, alles ist ganz wunderbar. Aber so richtig aufgeben will sie die Ehe, den treuen Gatten und das traute Heim eben auch nicht.

Soll sie beides haben dürfen? Soll sie. Bekommt sie es? Lesen Sie das eBook. Unter dem Strich ist es eine nette Geschichte über den Ausbruch aus dem Alltag, über zwei Menschen nach vielen Jahren der Beziehung und irgendwie über das Leben selbst.

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„Aldi, Sex & Rock’n Roll“ von Nadja Böhnke: Knistern am Tiefkühlfach
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