eBook-Reader haben ein grundlegendes Problem oder ist es doch eher die Lösung für eine Gesellschaft, die schon jetzt aufgrund der irrsinnig rasanten Technikentwicklung völlig überfordert ist und im Multitaskingwahn untergeht?

Einer der gravierendsten Nachteile eines eBook-Reader ist gleichzeitig auch sein größtes Plus gegenüber anderen Mobilgeräten mit integriertem Bildschirm. Gehören Kindl und all die anderen Reader bereits einer bald schon veralteten Technologie an, die bald schon keiner mehr nutzen wird? Mehr als das Lesen digitalisierter Bücher ist mit solch einem Gerät nämlich nicht möglich. Je nach Hersteller und Version verfügen eBook-Reader vielleicht über diverse Zusatzfeatures wie ein integriertes Nachschlagewerk oder den Zugang zu einem Onlinehändler, über den die eBooks direkt gekauft und geladen werden. Das war es dann aber auch schon. Im Großen und Ganzen eignet sich so ein handliches Stück Technik einfach nur für einen Zweck, das Lesen.

Ansicht A: Diese Technik ist bereits jetzt schon obsolet und überflüssig

Digitale Bücher und die dazu gehörenden E-Reader sind Teil einer evolutionären Medienentwicklung. Gleichzeitig haftet dieser Technik vor allem eine emotionale Last an, gelten die digitalen Bücher doch als unpersönlich und kalt. Zu einem eBook lässt sich keine vertraute Beziehung aufbauen, keine magische Verbindung, die zwischen LeserIn und einem gedruckten Buch entsteht und sich fast schon wieder schmerzhaft wie das Ende einer Liebesbeziehung anfühlt, wenn die letzte Seite der Geschichte umgeblättert und das Buch zugeschlagen wird.

Technik ohne Features und Emotionen

Ein eBook-Reader kann nicht mit diesen Eigenschaften aufwarten, stattdessen bietet der integrierte Speicher eine Kapazität für Tausende Werke. Darin kann sich die Leserin, der Leser bestenfalls verlieren aber nicht verlieben. Viele Bücherfreunde schwärmen von dem Geruch, einer Verbindung aus Zellulose und Leim, welcher nicht selten aus Fischgräten hergestellt wird. Das klingt jetzt nicht zwingend nach einer sinnlichen Verführung, die einen in die Welt der Geschichten entführt, aber es geht hier vielmehr um Erinnerungen und die Emotionen. Greife ich zu einem Buch, dann nehme ich den Geruch von all den Büchern vorher war, gleichzeitig werden meine Erinnerungen daran aktiviert. Eine ziemliche emotionale Kiste, dieses gedruckte Buch. Damit kann ein elektronisches Buch nicht punkten, das sollte klar sein.

Ansicht B: Ein eBook-Reader reduziert den Medienkonsum auf das Wesentliche, was gut tut

Ein E-Reader ist vielleicht unpersönlich weil digital – also nicht analog. Andererseits ist so ein Gerät äußerst praktisch, leicht und energiesparend, ganz im Gegensatz zu den multifunktionalen Smartphones oder Tablet-PCs. Genau hier liegt aber, vielleicht etwas verborgen und hinter Platinen und Computerchips versteckt, die Stärke des Readers. Was gestern noch als moderne Entwicklung galt, verschwindet heute schon fast wieder in dieser Nische für Buchfreunde.

Viele Leute managen, gestalten und informieren sich inzwischen überwiegend über das Smartphone. Es vereint viele Funktionen in einem einzigen Gerät und macht dadurch Einzelanwendungsgeräte so gut wie überflüssig. Das Problem dabei, das mag für einen Teil der Nutzer genau den Anwendungsvorstellungen und Bedürfnissen entsprechen, man könnte aber auch sagen, so ein Smartphone kann von allem etwas aber nichts richtig gut. Sehen wir doch einmal folgende Beispiele:

eBook-Reader Funktionalität. Hochauflösende Displays von Smartphones und Tablet PCs ermöglichen auch die Darstellung von Grafiken und Bildern, das geht auf Kosten der Akkuleistung. Im Gegensatz dazu ist ein E-Reader mit E-Ink-Display ein wahres Sparwunder, eine Akkuladung hält Wochen und der Bildschirm ist eine Wohltat für die Augen.

Telefonfunktion. Zwar überall erreichbar, dafür oftmals ohne richtig gutes Mobilfunknetz. Das Festnetztelefon bietet zumindest in den eigenen vier Wänden oft eine bessere Gesprächsqualität.

Games. Klar, die Auswahl an Spielen und anderen Medien für die Smartdevices ist überwältigend. Hier haben viele Leute aber auch längst die Übersicht und damit das Interesse verloren. Hingegen eine Spielkonsole richtet sich einzig nach dem Bedürfnis elektronische Spiele zu spielen. In Sachen Qualität können Mobilgames für Smartphones in den meisten Fällen nicht mithalten.

Fotofunktion. Auf kleinen Bildschirmen wirken die Fotos, fotografiert mit einem Smartphone recht ansehnlich. Das sieht auf Monitoren oder ausgedruckt schon ganz anders, meistens schlechter aus. In Hinblick auf Qualität können Smartphonekameras auch weiterhin den Spiegelreflex- und Systemkameras nicht das Wasser reichen.

Fazit: Der eBook-Reader kann längst nicht alles, hat sich aber als Ausgabegerät für elektronische Bücher etabliert

Die Beispiele lassen sich weiter führen und zeigen, dass ein Multifunktionsgerät wie ein Smartphone nicht alle Bedürfnisse seiner Anwender erfüllen kann, zumindest nicht ohne Qualitätseinbußen. Die Wahl eines eBook-Readers ist demnach auch ein Statement hin zu einer sinnvollen, ablenkungsfreien und erfüllenden Beschäftigung. Das Lesevergnügen ist an einige Randbedingungen geknüpft, die so ein Reader sehr gut erfüllen kann. Sobald ein Leser sich eingelesen hat, wird er oder sie den Geruch des Printbuches kaum noch vermissen, dafür aber die ablenkungsfreie Ruhe auf dem Schwarz-Weiß-Display genießen. Und das mit vollem Akku.

E-Reader-Technik: Bereits schon wieder veraltet oder doch eine Hommage an das analoge Buch?
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