Allein die Frage dürfte für ablehnendes Stirnrunzeln oder zumindest Schulterzucken sorgen: Darf eine Sparkasse in ihrem Gewinnspiel nur lokale Produkte verlosen? Und wer darf ihr sowas eigentlich vorschreiben? Buchhändler und Buy-Local-Initiator Michael Riethmüller hat sich – glaube ich – keinen Gefallen getan, als er ein harmloses Gewinnspiel der Sparkassen kritisierte, bei dem es neben drei Kindle-eReadern auch noch Amazon.de-Gutscheine zu gewinnen gab. Nicht einmal in Zusammenarbeit mit dem Online-Handelsriesen, sondern auch noch selbst gekauft und bezahlt.

Buchhändler üben Kritik an Kindle-Gewinnspiel

Dem Buchhändler, der gegen die Aktion streitet, geht es dabei nicht einmal um den Gewinn an sich, sondern um den Klick zu Amazon, wie er gegenüber dem Börsenblatt ausführt. In seinem Beschwerdebrief ließ er sich außerdem zu einer Schimpftirade hinreißen, in der er Amazon unter anderem vorwarf, „die Verödung der Innenstädte voranzutreiben“. Auch ein Seitenhieb auf die Arbeitsbedingungen in der Logistikabteilung des US-Konzerns fehlte nicht. Der Kritik haben sich nun weitere Buchhändler angeschlossen, der Sortimenter-Ausschuss des Börsenvereins (SoA) wollte sogar prüfen, ob ein Verstoß gegen die Buchpreisbindung vorläge, was laut Börsenblatt aber nicht der Fall ist.

In der Kritik: Amazons Kindle eReader

In der Kritik: Amazons Kindle eReader

 

Die Kritik an der Kritik ließ freilich auch nicht lange warten. Die Kommentarspalten unter dem entsprechenden Artikel auf der Webpräsenz des Börsenblatts füllten sich nach und nach. Die Reaktionen sind noch in relativ freundlichem Ton gehalten, dennoch sind dort Worte wie „kleingeistiges Gehabe“, „Arroganz“ und „peinlich“ zu lesen. Und auch ich frage mich, wo die Verhältnismäßigkeit bleibt. Ein Gewinnspiel, in dem ein paar eReader und ein paar Gutscheine verlost werden – auch noch selbstgekauft -, ist doch kein Sponsoring von Amazon. Und selbst wenn, die Sparkassen schreiben den lokalen Buchhändlern doch auch nicht vor, bei welcher Bank sie ihre Konten führen.

Meiner Meinung nach sollten die Buchhändler sich endlich ihrer Stärken besinnen und gern auch dafür offensives Marketing betreiben: Gute Beratung, Empfehlungen, Laden um die Ecke, Treffpunkt, Veranstaltungsort, Lieferung schon am nächsten Tag in der Filiale. Das sind nur ein paar Sachen, die einen lokalen Buchladen für mich von Amazon unterscheiden. Ein solches Lamentieren hilft da meines Erachtens nicht, sondern schreckt eher junge, internetaffine Nutzer ab.

Wer „korrekte“ Gewinne abstauben will, macht mit beim Tolino-Shine-Gewinnspiel auf eBook-Fieber.de 😉

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