Als langjährige Apple-Nutzer wollten wir das neue Macbook Pro mit Touch Bar wirklich mögen. Aber was nützt ein leichtes Gerät, wenn man dafür einen schweren Akkupack mitschleppen muss? Das Notebook hat viele gute Eigenschaften, aber die Enttäuschung überwiegt.

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Nach anderthalb Jahren hat Apple seine Profi-Notebooks aktualisiert und sich entschlossen, gleich das ganze Konzept zu überarbeiten. Die neuen Macbook Pro sind dünner, leichter und moderner. Zu den Besonderheiten zählen etwa die Touch Bar und durchgehendes Thunderbolt 3 auf Basis von USB Typ C. USB 3.1 Gen 2 (10 GBit/s) gehört ebenfalls dazu, und wir hatten genug Zubehör, um einiges davon zu testen.

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Verschwunden sind jedoch viele andere Anschlüsse. Magsafe, das Macbooks zuverlässig vor Schaden bewahrt, wenn der Anwender über das Netzkabel stolpert, ist weg. Selbiges gilt für den SD-Kartenleser, den Fotografen vermissen, und einen Displayausgang für ältere Displays. An ihre Stelle tritt USB Typ C samt passendem Adapter – sofern vorhanden. Dafür ist der Einstiegspreis enorm gestiegen: In der günstigsten Version kostet das Macbook Pro mit Touch Bar 2.000 Euro, unser Testmuster aufgrund der SSD 2.200 Euro.

Macbook Pro im Test: Die Touch Bar wirkt blass, doch das ist Absicht. Die Farben leuchten ziemlich gut. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)

Unser Testmuster ist das höhere Modell der 13-Zoll-Reihe des Macbook Pro. Ausgestattet ist das Notebook mit einer Dual-Core-Skylake-CPU (Core-i5-6267U mit 2,9 bis 3,3 GHz, Iris Graphics 550), 8 GByte nicht austauschbarem Arbeitsspeicher und einer 512 GByte fassenden, fest verlöteten SSD, die Backups wichtig macht – was wir später im Detail betrachten.

Am Display hat sich bei den Eckdaten wenig geändert. Es ist weiter ein 13-Zoll-Display mit einer Auflösung von 2.560 x 1.600 Pixeln. Neu ist die skalierte Standardeinstellung mit einem Bildeindruck von 1.440 x 900 Pixeln statt der 1.280 x 800 Pixel der Vorgänger. Das kann leicht unscharf aussehen, aber in der Regel ist die Auflösung ein guter Kompromiss zwischen Lesbarkeit und verfügbarem Displayplatz.

Der kleine Akku und die Sache mit der Touch Bar

Überraschend ist der Verzicht auf einen erheblichen Teil der Akkukapazität. Unser Muster hat nur noch 49,2 Wattstunden (4.451 mAh) und ist damit sehr klein.

Das oberflächlich betrachtet Spannendste an den neuen Macbook Pro ist der Verzicht auf eine F-Tastenreihe ab dem mittleren Modell. Dort befinden sich stattdessen eine OLED-Leiste samt Touch-Digitizer und ein Fingerabdruckleser. Wir haben uns die Technik angesehen und ausprobiert, wie sie sich im Alltag schlägt.

Die Integration der Touch Bar

Die Touch Bar ist das Besondere an der neuen Macbook-Pro-Generation, die es ab dem mittleren 13-Zoll-Modell und bei allen 15-Zoll-Modellen gibt. Wir haben die Variante des 13-Zoll-Displays getestet. Grob beschrieben ist die Touch Bar eine virtuelle Tastenreihe, welche die alten F-Tasten ersetzt.

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Dabei ist anzumerken, dass Apple ohnehin seit Jahren die F-Tasten nicht mehr ihrer Bestimmung entsprechend benutzt, sondern diese nun eher Shortcuts für andere Funktionen wie Lautstärke, Helligkeit oder Mission Control darstellen. Die Touch Bar stellt all dies auch bereit, allerdings im Kontext der Anwendung. Damit stehen deutlich mehr virtuelle Tasten zur Verfügung als zuvor. Daneben befindet sich noch eine echte Taste als Ein- und Ausschalter, die zudem den Fingerabdruckleser Touch ID beinhaltet.

Technisch arbeitet die Touch Bar mit einem langgezogenen, schmalen OLED-Panel samt Touch-Oberfläche. Diese funktioniert kapazitiv wie die meisten Touchscreens. Eine haptische Rückmeldung gibt es nicht, obwohl Apple mit 3D-Touch bei iPhones vormacht, wie es gehen könnte. Die Oberfläche fühlt sich angenehm glatt an und ist sehr gut lesbar.

Unvollständige Betriebssystemintegration

Die Touch Bar ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Links ist der kontextbezogene Teil und rechts der Control Strip, den Apple auf Deutsch Kontrollleiste nennt. Die Kontrollleiste wird über die Systemeinstellungen konfiguriert. Der kontextabhängige Teil findet sich jeweils in den Darstellungsoptionen der Programme – allerdings nur, wenn diese die entsprechende Unterstützung mitbringen. Aber auch das ist zweigeteilt. Pages beispielsweise arbeitet mit der Touch Bar, doch die Konfigurationsoption fehlt.

Leider ist MacOS und insbesondere Apples Spotlight nicht auf die Touch Bar vorbereitet. Wer Einstellungen mit Spotlight sucht, findet diese nicht. Weder Touch Bar noch Kontrollleiste existieren als Suchbegriffe. Das gilt auch für die Systemeinstellungen. Dort verschwand bei uns zudem zwischendurch die Einstellungsschaltfläche. Immerhin lässt sich in der Programm-Hilfe in der Menu Bar nach Touch Bar suchen. Leider ist die Menüposition immer wieder eine andere. Uns würde ein fixer Punkt in den Programmeinstellungen besser gefallen.

Insgesamt macht die Touch Bar teilweise den Eindruck, als wäre sie in großer Eile in das Betriebssystem integriert worden. Die Fehler sind aber nicht schwerwiegend. Bei der Nutzung fielen uns mehr Schwierigkeiten auf.

Die Touch Bar als Unterhaltungshilfe

Apple hat es nicht geschafft, in all seine Produkte die Touch Bar zu integrieren. So soll etwa bei der DAW-Software Logic X die Touch Bar erst im kommenden Jahr unterstützt werden. Wer Software außerhalb des Apple-Universums nutzt, wird die Touch Bar erstmal kaum verwenden und mit ein paar Irritationen leben müssen.

Wer statt Safari lieber Googles Chrome oder einen anderen Browser nutzt, bekommt beim Auswählen der Adressleiste angeboten, die URL fett zu markieren oder zu unterstreichen – die Adresszeile wird irritierenderweise als einfaches Textfeld erkannt. Bei den meisten Anwendungen ohne Touch-Bar-Unterstützung wird nichts auf den für spezifische Software vorgesehenen Bereichen dargestellt.

Entwicklerrichtlinien verhindern flexiblen Einsatz

Die Aufteilung der Touch Bar ist nicht immer ideal, darf allerdings auch nicht geändert werden, wenn der Entwickler im Mac App Store seine Programme veröffentlicht. Ganz links findet sich die virtuelle Escape-Taste, die in seltenen Fällen umdefiniert wird, wie das etwa beim Anschauen von Vollbildvideos in Safari passiert. Rechts daneben ist Platz für anwendungsabhängige Elemente und am rechten Rand sind vier vom Nutzer definierte Funktionstasten.

Dies ist fest in den strikten Entwicklerrichtlinien für die Touch Bar definiert, eine fünfte Taste ist nicht möglich. Wer diese braucht, muss die Funktionsleiste öffnen. Die geöffnete Funktionsleiste kann auch konfiguriert werden, das meiste dahinter braucht aber grundsätzlich einen Arbeitsschritt mehr als mit der alten Methode.

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Um Mission Control zu verwenden, müssen die OLED-Leiste aktiviert, die Kontrollleiste geöffnet und dann Mission Control gedrückt werden. Beim alten Macbook Pro ist das mit einem Tastendruck erledigt. Für die Touch Bar müsste man Mission Control zu einer Funktionstaste definieren und trotzdem die OLED-Leiste erst noch aktivieren.

Immerhin lassen sich Helligkeit und Lautstärke aus der Kontrollleiste direkt bedienen. Dazu muss der Anwender aber darauf kommen, dass er aus der Schaltfläche heraus wischen kann. Wenn die OLED-Leiste an ist, ist das sogar schneller und präziser als mit den Direkttasten.

Touch Bar: Erweiterung der Tastatur

Diese Richtlinien zeigen, wie Apple die Touch Bar definiert: als Erweiterung der Tastatur, nicht als Second Screen. Benachrichtigungen, Nachrichten, statische Elemente und Animationen verbietet Apple in den Richtlinien. Das schränkt nicht nur die Kreativität der Entwickler ein, sondern verhindert auch einige praktische Funktionen: Mit Anwendungen hätte der Fortschritt eines Downloads oder der Erhalt einer Mail angezeigt werden können. Das würde weniger von der Arbeit ablenken als eine Benachrichtigung auf dem Hauptdisplay.

Entwickler sollen außerdem möglichst wenig Farbe einsetzen und die Elemente an das monochrome Design der Tastatur anpassen; das verbietet abermals praktische Spielereien. Virtuelle Tasten und Elemente verändern nicht immer ihr Aussehen, wenn sie gedrückt werden – das wäre aber etwa bei der Taste zum Stummschalten des Systems praktisch.

Es ist unverständlich, warum bei dieser nicht interaktiv angezeigt wird, ob das System gerade auf Stumm geschaltet ist. Hier verschenkt Apple Potenzial, die Bedienung benutzerfreundlicher zu gestalten. Wer sehen will, ob sein Gerät stummgeschaltet ist, muss die Lautstärkeregelung als eine der vier Funktionstasten definieren.

Solche Designfehler führen dazu, dass wir in der Redaktion gespaltener Meinung über den Nutzen der Touch Bar sind. Bei den meisten Anwendungen zeigt die Touch Bar im softwarespezifischen Bereich nur Funktionen an, die wir bereits als Tastatur-Shortcuts kennen und nutzen. Warum sollten wir die Anwendungen anders nutzen und auf der Touch Bar die Funktion auswählen – insbesondere, wenn die Touch Bar zusätzliche Schritte erfordert?

Wer Shortcuts kennt, braucht die Touch Bar meist nicht

Generell sind die softwarespezifischen Bereiche der Touch Bar bei Anwendungen, die man eher selten nutzt, praktisch. Wer selten Final Cut nutzt, findet dank der Touch Bar deutlich schneller Funktionen, zumal diese passend zum ausgewählten Element angezeigt werden. Doch wird an diesem Beispiel auch deutlich, dass die Touch Bar weniger die Profis – die eigentliche Zielgruppe der Macbook Pro – bei ihrer Arbeit unterstützt.

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Es gibt aber Bereiche, in denen die Touch Bar einen Mehrwert bietet, der ist jedoch überwiegend unterhaltender Natur. Wer etwa ein Youtube-Video im Vollbild anschaut, freut sich, direkt auf der Touch Bar spulen zu können, ohne dass die Bedienungsoberfläche eingeblendet wird. Zwiespältig sehen wir beispielsweise die Unterstützung in Pages.

Die Wortvorschläge zu nutzen, dauert viel zu lange. Da tippen wir schneller, als ein Wort anzutippen. Fast alles andere ist per Shortcut leichter erreichbar. Allenfalls die Farbauswahl ist hilfreich, doch das ist keine oft genutzte Funktion beim Texten. Und wer üblicherweise einen externen Monitor samt Tastatur betreibt, hat von der Touch Bar auch nichts. Das Desktop-Pendant hat Apple noch nicht vorgestellt.

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